{"id":2505,"date":"2025-06-27T09:29:42","date_gmt":"2025-06-27T07:29:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.parkett.de\/blog\/?p=2505"},"modified":"2026-01-14T17:27:08","modified_gmt":"2026-01-14T16:27:08","slug":"im-kampf-gegen-chinesisches-billigparkett-faz-artikel-vom-01-06-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.parkett.de\/blog\/im-kampf-gegen-chinesisches-billigparkett-faz-artikel-vom-01-06-2025\/","title":{"rendered":"Im Kampf gegen chinesisches Billigparkett &#8211; FAZ-Artikel vom 01.06.2025"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Parkettindustrie ist klein, aber sie wehrt sich heftig gegen Billigimporte aus China. Hohe Z\u00f6lle sollen die Schwemme bremsen.<\/strong><\/p>\n<p>Michael Schmid staunte nicht schlecht, als er unl\u00e4ngst im Nordosten Chinas in der Stadt Dalian sah, wie chinesische Hersteller von Holzparkett arbeiten. Er ist schlie\u00dflich selbst einer, allerdings vom Schwarzwaldrand, Mittelst\u00e4ndler durch und durch. Sein Unternehmen Jaso, gelegen zwischen Offenburg und Freiburg, macht in guten Jahren etwas mehr als zehn Millionen Euro Umsatz. Allerdings sind gute Jahre selten geworden \u2013 was nicht nur, aber auch an den Chinesen liegt, deren Parkettindustrie \u00fcberwiegend rund um Dalian konzentriert ist.<br \/>\nSchmid berichtet von gro\u00dfen, mehrgeschossigen Produktionsst\u00e4tten, das Erdgeschoss voll mit modernen Maschinen. Den Betreibern geh\u00f6rten weder die Geb\u00e4ude noch der weitl\u00e4ufige Grund und Boden, die stelle der Staat zu Verf\u00fcgung. Nur das Gesch\u00e4ftsmodell nennen sie ihr Eigen: billiges Parkett f\u00fcr Europa. Ebenfalls kaum vorstellbar f\u00fcr einen deutschen Unternehmer: Von vielen Produktionslinien, die dort installiert waren, standen einige still. Maschinenstillstand bedeutet hierzulande: brachliegende Sachinvestitionen, schlechte Auslastung und Planung, Geldverlust. Ein Horror f\u00fcr jeden Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer.<\/p>\n<p><strong>Chinesischer Staat sorgt f\u00fcr noch mehr Dumping-Parkett<\/strong><br \/>\nIn China sei das egal. Dort stelle der Staat alles f\u00fcr die Produktion N\u00f6tige im \u00dcberfluss zur Verf\u00fcgung. Die Betreiber nutzen ohne finanzielles Risiko, was sie gerade brauchen. Was heute stillsteht, wird morgen wom\u00f6glich ebenfalls angeworfen, dann k\u00e4me noch mehr chinesisches Dumping-Parkett nach Europa und Deutschland als ohnehin schon. Und Unternehmer wie Michael Schmid m\u00fcssen es ausbaden. Der Anteil von chinesischem Importparkett am deutschen Inlandsmarkt lag im Jahr 2010 noch knapp unter zehn Prozent, war also unauff\u00e4llig. Seitdem stieg er Jahr f\u00fcr Jahr an, bis er 2022 satte 46,2 Prozent erreichte. Das waren 9,2 Millionen Quadratmeter Parkett \u2013 in etwa die Fl\u00e4che des Tegernsees. Eine Rekordmenge.<br \/>\nDie \u00fcppigen staatlichen Subvention in China spiegeln sich in den Zahlen der deutschen Wettbewerber, die in den vergangenen Jahren ohnehin zu leiden hatten. Die knapp zwanzig Mitgliedsunternehmen im Verband der deutschen Parkettindustrie (VDP), deren Vorsitzender Schmid ist, verkauften 2024 rund 4,8 Millionen Quadratmeter Parkett und setzten 176 Millionen Euro um. Bei einem Umsatzr\u00fcckgang um 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist es nur ein geringer Trost, dass im vergangenen Jahr auch aus China weniger Parkett nach Deutschland kam, n\u00e4mlich nur noch 6,8 Millionen Quadratmeter. Denn dessen Anteil am \u2013 weiter geschrumpften \u2013 deutschen Gesamtmarkt lag nun bei 51,6 Prozent. In der Branche war die Einsch\u00e4tzung mehrheitsf\u00e4hig: Wir m\u00fcssen uns wehren.<\/p>\n<p><strong>Zoll zur Selbstverteidigung<\/strong><br \/>\nUnd zwar mit einem Mittel, mit dem normalerweise nicht Nischenbranchen wedeln, sondern vor allem der amerikanische Pr\u00e4sident. Die Parketthersteller \u2013 wenige gro\u00dfe wie Haro, Parador oder Hinterseer und deutlich mehr kleinere \u2013 wollen die staatlich gef\u00fctterten Konkurrenten mit einem satten Zoll bremsen und so deren Parkettschwemme Richtung Europa eind\u00e4mmen. Wobei VDP-Vertreter Schmid versichert, dass es nicht die Methode Trump sei, die hier zur Anwendung komme, sondern ein geregeltes Verfahren. Anw\u00e4lte beider Seiten stehen sich gerade gegen\u00fcber. Es ist ein kostspieliges Mittel der Selbstverteidigung, wie er zugibt, orchestriert vom europ\u00e4ischen Parkettverband. Aber es m\u00fcsse nun mal sein.<br \/>\nIm Sommer nahm die Branche in dieser Angelegenheit Fahrt auf, bereitete eine Beschwerde in Br\u00fcssel vor und reichte diese im April 2024 f\u00f6rmlich ein. Daraufhin wurden die chinesischen Einfuhren von der EU genauer untersucht, um etwaige Antidumpingz\u00f6lle vorzubereiten. Die Einsch\u00e4tzung der hiesigen Hersteller wurde offenbar geteilt, denn im Januar 2025 wurden vorl\u00e4ufige Antidumpingma\u00dfnahmen f\u00fcr sogenanntes Mehrschichtparkett beschlossen \u2013 ein Zoll zwischen 42,3 und 49,2 Prozent. Das stelle den fairen Wettbewerb auf dem Parkettmarkt wieder her, sagt Schmid, denn bis dahin h\u00e4tten chinesische Hersteller ihr Parkett zu Preisen auf den Markt geworfen, die erheblich unter den Herstellungskosten liegen. Diese Preisspanne solle ausgeglichen werden, nur darum gehe es.<\/p>\n<p><strong>Chinesische Hersteller bieten Parkett f\u00fcr 25 Euro je Quadratmeter an<\/strong><br \/>\nIn Deutschland gelten 50 Euro je Quadratmeter Parkett als mittleres Preissegment, in Baum\u00e4rkten finden sich auch Angebote um 30 Euro. Jaso, das Unternehmen von Michael Schmid, ist eine von wenigen Parkettmanufakturen in Deutschland, die nur an Handwerker verkaufen und in ihren Kleinauftr\u00e4gen Abertausende von Varianten anbieten \u2013 abh\u00e4ngig von Holzart, Format, Oberfl\u00e4che und weiteren Eigenschaften. Hier kommen, inklusive Verlegung, 100 Euro je Quadratmeter zusammen. Chinesische Billighersteller tummeln sich am anderen Ende der Nahrungskette, sie gehen mit 25 Euro je Quadratmeter ins Rennen, teilweise mit noch weniger. Es ist nicht so, dass der Branche in Deutschland solcher Druck von au\u00dferhalb unbekannt w\u00e4re. Nur kam er fr\u00fcher aus osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern, und er war nicht so extrem.<br \/>\nZwar zeigen die Anfang des Jahres verh\u00e4ngten vorl\u00e4ufigen Antidumpingz\u00f6lle Wirkung: Rund 190.000 Quadratmeter chinesisches Importparkett im Januar und nur noch etwas mehr als 60.000 Quadratmeter im Februar \u2013 das sind Zahlen, die weit entfernt sind von fr\u00fcheren Mengen. Allerdings bleiben Ungewissheiten. Die hiesigen Wettbewerber wissen zwar, dass Mitte Juli in Br\u00fcssel eine endg\u00fcltige Entscheidung fallen wird, aber wie hoch der Strafzoll genau ausf\u00e4llt, ist offen. Au\u00dferdem beobachtet die Branche aufmerksam, ob China Umgehungsm\u00e4rkte nutzt, um seine Produkte in Europa zu platzieren. Dann k\u00e4men die Riesenmengen Parkett, die dort produziert werden oder auf Lager liegen, \u00fcber andere asiatische Exportl\u00e4nder hierher.<\/p>\n<p><strong>Stammt das Holz aus Russland?<\/strong><br \/>\nDas Herkunftsproblem bliebe so oder so bestehen: Die Branche kann zwar nicht beweisen, ist aber sehr sicher, dass sich massenhaft russisches Holz in chinesischem Parkett findet \u2013 ein Produkt also, das in Europa wegen des Angriffs auf die Ukraine sanktioniert ist. Allein die Lage von Dalian \u2013 diesem Zentrum der chinesischen Parkettindustrie mit jeder Menge Fabriken \u2013 spreche daf\u00fcr. Die Stadt liegt im Nordosten des Landes, nahe der Grenze zu Nordkorea, von wo aus Russland leicht zu erreichen ist. Deutsche Unternehmen fragen sich ohnehin, wie es China schaffen will, die EU-Entwaldungsverordnung umzusetzen, die Ende des Jahres in Kraft tritt und f\u00fcr nachhaltige Lieferketten ohne Raubbau sorgen soll. Die Selbstbeschreibung des VDP-Vorsitzenden Schmid ist als eindeutiger Hinweis zu verstehen, die Betonung liegt auf dem ersten Wort: \u201eUnser Parkett ist sauber.\u201c<br \/>\nIn dieser Atmosph\u00e4re des Misstrauens und der Selbstverteidigung d\u00fcrfte es beruhigend sein, dass Gegenz\u00f6lle keine Bedrohung sind. Denn deutsches Parkett in China ist angesichts des aktuellen Preisgef\u00e4lles kein Thema. Schmid hat mit seinem Unternehmen Jaso zwar schon mal mehr als 20.000 Quadratmeter Parkett nach China geliefert, weil dort ein Hochhaus nach europ\u00e4ischen Standards ausgestattet wurde. Aber solche Gesch\u00e4fte \u2013 es war das gr\u00f6\u00dfte seines Unternehmens \u00fcberhaupt \u2013 sind selten und werden nicht einkalkuliert. Allerdings: In einer Zeit, in der sogar deutsche Autohersteller oder Maschinenbauer die Qualit\u00e4t chinesischer Konkurrenzprodukte offen anerkennen, reden auch die Parketthersteller ihre Rivalen nicht klein: Chinesisches Parkett habe durchaus europ\u00e4isches Niveau, hei\u00dft es \u2013 nur werde es zu Konditionen hergestellt, die mit fairem Wettbewerb nichts mehr zu tun h\u00e4tten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Parkettindustrie ist klein, aber sie wehrt sich heftig gegen Billigimporte aus China. Hohe Z\u00f6lle sollen die Schwemme bremsen. Michael Schmid staunte nicht schlecht, als er unl\u00e4ngst im Nordosten Chinas in der Stadt Dalian sah, wie chinesische Hersteller von Holzparkett arbeiten. Er ist schlie\u00dflich selbst einer, allerdings vom Schwarzwaldrand, Mittelst\u00e4ndler durch und durch. 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